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Aktualisierung

1.Januar 2010

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Cochlear Implantat

Bei einer reinen Innenohr-Schwerhörigkeit und gleichzeitig hochgradigem Hörverlust (85-100 dB und mehr) auf beiden Ohren kann die Hörgeräteversorgung an ihre Grenzen stoßen, so dass gerade bei Kindern ein offener Spracherwerb über das Ohr nicht möglich ist. Die Ursache dieser Form der Hörstörung liegt im weitest gehenden Verlust bzw. nicht Funktionieren der Haarzellen in der Hörschnecke (Cochlear) begründet. Der Hörnerv selbst ist in fast allen Fällen intakt.

Ein CI ermöglicht es, den Hörnerven künstlich zu stimulieren und so einen Höreindruck möglich zu machen.

Während ein Hörgerät den Schall verstärkt, die Stimulation des Hörnerven aber natürlich erfolgt (durch die Bewegung der Haarzellen), geschieht die Stimulation des Hörnerven bei einem CI künstlich.

Es gibt verschiedene Hersteller von CI-Systemen (Cochlear, Advanced Bionics, Med-El usw.) die sich in der Konstruktion der Komponenten, der Schallverarbeitungsstrategie sowie der Art der Reizübertragung unterscheiden. Allen gemeinsam ist aber der grundsätzliche Aufbau und das Funktionsprinzip.

Aufbau/Funktionsprinzip 

Jedes CI besteht aus Mikrofon, Sprachprozessor, Sendespule und dem Implantat mit Elektrodenträger.

Die neueren Modelle sind komplett hinter dem Ohr zu tragen. Der Prozessor  ist mit einem Kabel mit dem Mikrofon und der Sendespule verbunden. Das Mikrofon wird hinter dem Ohr oder an der Sendespule getragen. Diese haftet magnetisch von außen am Implantat, das an einer HNO-Klinik in den Kopf implantiert wird.

Über das Mikrofon wird der Schall aufgenommen und zum Sprachprozessor, einer Art Computer, geleitet. Dort wird er mittels spezieller Programme (Schallverarbeitungs-Strategien) in elektrische Impulse umgewandelt und zur Sendespule geleitet. Diese überträgt die Signale elektromagnetisch an das Implantat. Dort werden die Signale wieder in "Stromimpulse" umgewandelt und an die Elektroden in der Cochlear geleitet. Diese reizen dann direkt den benachbarten Hörnerven.

Der Weg zum CI   

Voraussetzung zur möglichen Implantation eines CI's ist in der Regel, dass Ihr hörgeschädigtes Kind eine Zeit Hörgeräte getragen hat und trotz optimaler Förderung keine Fortschritte in der Sprachentwicklung zu verzeichnen sind. Allerdings nehmen die großen Kliniken immer früher Implantationen vor, Operationen unter einem Jahr sind keine Seltenheit. 

Ausnahmen sind durch Meningitis ertaubte Kinder, die kurzfristig implantiert werden können.

Im Normalfall wendet man sich an eine CI implantierende Klinik/Uniklinik und vereinbart einen Termin zu einer Voruntersuchung. Es gibt heute in Deutschland mehrere Kliniken/Unikliniken, die dafür in Frage kommen, zum Beispiel die Medizinische Hochschule Hannover, das Cochlear Implant Centrum Freiburg oder die Unikliniken in Essen und Bochum.  (Weitere Adressen  bei uns) Die Wahl der Klinik hängt auch vom Nachsorgekonzept ab, das an der entsprechenden Klinik angewendet wird. Informationen sollten Sie sich vorab bei den Kliniken einholen.

Die Voruntersuchung erfordert einen etwa dreitägigen stationären Aufenthalte. Dabei finden in der Regel Hörprüfungen mit und ohne Hörgeräten, BERA-Untersuchung, Computertomographie und weitere Untersuchungen statt. Viele Untersuchungen werden in Narkose vorgenommen. Danach wird Ihnen in einer Abschlussbesprechung erläutert, ob bei Ihrem Kind eine CI-Implantation sinnvoll ist oder nicht. 

Operation und Erstanpassung   

Die Operation erfordert etwa 7-10 Tage stationären Aufenthalt. Dabei wird dem Patienten in Vollnarkose das Implantat unter die Kopfhaut implantiert, am Schädelknochen fixiert und der Elektrodenträger in die Cochlear eingeführt. Die einwandfreie Funktion des Implantates wird noch während der OP überprüft. Nach zwei bis sechs Wochen kann  die Erstanpassung des Sprachprozessors stattfinden, das heißt, die äußeren Teile des CI-Systems werden individuell eingestellt und der Patient kann zum ersten Mal mit dem System Höreindrücke wahrnehmen.

(Quelle: Clarion)

 

Therapeutische Betreuung 

Ein CI ermöglicht in aller Regel einen sehr guten Höreindruck über das gesamte Frequenzspektrum. Trotzdem ist auch mit einem CI eine optimale Förderung und Hörerziehung ihres Kindes notwendig, um in Bezug auf Sprachentwicklung, Sprachverständnis und Hören im allgemeinen Fortschritte zu erzielen. Grundvoraussetzung dafür ist die individuelle Programmierung und Abstimmung des Sprachprozessors, die in einer speziell dafür ausgerüsteten Einrichtung vorgenommen werden muss. Diese periodisch bis zum Erreichen eines relativen Optimums anfallenden Arbeiten gehören ebenfalls zum Nachsorgekonzept der Kliniken.

 

Zukunft

Die Prozessoren sind serienreif als Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO) entwickelt und erfolgreich auf dem Markt. Sie werden auch bei Kindern bereits häufig eingesetzt.  Die Zukunft der CI-Versorgung wird darin liegen, die Geräte immer weiter zu verkleinern und das Problem der Energieversorgung zu  verbessern. Damit einhergehend werden die Sprachverarbeitungsstrategien der Prozessoren verbessert.

Es gibt immer mehr erfolgreiche Fälle, bei denen Kindern auf beiden Seiten Implantate eingesetzt worden sind, die sogenannte "binaurale" Versorgung. Die doppelte Versorgung wird immer häufiger und ist sehr Erfolg versprechend. An einem Prozessor, der zwei Implantate ansteuert, wird noch gearbeitet. 

Der Erfolg wird weiterhin von der Nachsorge und der Anpassung durch Fachleute abhängen.

(Hinter-dem-Ohr-Gerät, Fa. Med-El)

(Hinter-dem-Ohr-Gerät, Fa. Advanced Bionics)

(Hinter-dem-Ohr-Gerät, Fa. Cochlear)

(neuester Nucleus Freedom-Sprachprozessor mit Spule)

 

Kritische Anmerkungen  

  1. Obwohl die Operation zur CI Implantation an vielen Kliniken zur Routine geworden ist, bleibt das allgemeine Operationsrisiko erhalten.
  2. Ein CI-System ist letztendlich auch "nur" ein technisches Gerät. Es kann auch einmal einen technischen Defekt aufweisen oder durch äußere Einflüsse beschädigt werden. Bei den äußeren Teilen des Systems ist dies kein Problem, diese können einfach ausgetauscht werden. Ein defektes Implantat bedeutet allerdings eine Reimplantation eines neuen Implantates mit anschließender Einheilungszeit und Neuanpassung des Sprachprozessors. Die Hersteller gehen von einer technischen Zuverlässigkeit ihrer Systeme von über 99% aus.
  3. Da CI-Systeme im breiteren Einsatz erst seit ca. 15 Jahren benutzt werden, gibt es auch keine längerfristigen Erfahrungen in Bezug auf Funktionsfähigkeit und Körperverträglichkeit.
  4. Neue Technologien im Bereich der Implantate lassen sich nur durch eine Reimplantation einsetzen.

 

Empfehlung an die Eltern

 

  1. Erfahrungsgemäß ist der Erfolg gerade bei früh implantierten Kindern am größten. Warten Sie nicht zu lange mit Ihrer Entscheidung. Der Zeitraum Voruntersuchung bis OP kann durchaus ein halbes Jahr und länger betragen!
  2. Bezüglich der Auswahl des CI-Systems tauschen Sie sich mit Eltern aus und nutzen Sie deren Erfahrungen.
  3. Bezüglich der Adressen von spezialisierten Kliniken wenden Sie sich an uns.

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