Bei einer reinen
Innenohr-Schwerhörigkeit und gleichzeitig hochgradigem Hörverlust (85-100 dB und mehr) auf beiden Ohren kann die
Hörgeräteversorgung an ihre Grenzen stoßen, so dass gerade bei Kindern ein
offener Spracherwerb über das Ohr nicht möglich ist. Die Ursache dieser Form
der Hörstörung liegt im weitest gehenden Verlust bzw. nicht Funktionieren der
Haarzellen in der Hörschnecke (Cochlear) begründet. Der Hörnerv selbst ist in
fast allen Fällen intakt.
Ein CI ermöglicht es, den Hörnerven künstlich zu
stimulieren und so einen Höreindruck möglich zu machen.
Während ein Hörgerät den Schall verstärkt, die
Stimulation des Hörnerven aber natürlich erfolgt (durch die Bewegung der
Haarzellen), geschieht die Stimulation des Hörnerven bei einem CI künstlich.
Es gibt verschiedene Hersteller
von CI-Systemen (Cochlear, Advanced Bionics, Med-El usw.) die sich in der Konstruktion der Komponenten, der
Schallverarbeitungsstrategie sowie der Art der Reizübertragung unterscheiden.
Allen gemeinsam ist aber der grundsätzliche Aufbau und das Funktionsprinzip.
Aufbau/Funktionsprinzip
Jedes CI besteht aus Mikrofon, Sprachprozessor, Sendespule und
dem Implantat mit Elektrodenträger.
Die neueren Modelle sind komplett
hinter dem Ohr zu tragen. Der Prozessor ist mit einem Kabel mit dem Mikrofon und der
Sendespule verbunden. Das Mikrofon wird hinter dem Ohr oder an der Sendespule
getragen. Diese haftet magnetisch von außen am Implantat, das an einer
HNO-Klinik in den Kopf implantiert wird.
Über das Mikrofon wird der Schall aufgenommen und zum
Sprachprozessor, einer Art Computer, geleitet. Dort wird er mittels spezieller
Programme (Schallverarbeitungs-Strategien) in elektrische Impulse umgewandelt
und zur Sendespule geleitet. Diese überträgt die Signale elektromagnetisch an
das Implantat. Dort werden die Signale wieder in "Stromimpulse"
umgewandelt und an die Elektroden in der Cochlear geleitet. Diese reizen dann
direkt den benachbarten Hörnerven.
Der Weg zum CI
Voraussetzung zur möglichen Implantation eines CI's ist in der Regel, dass Ihr hörgeschädigtes Kind eine Zeit Hörgeräte getragen
hat und trotz optimaler Förderung keine Fortschritte in der Sprachentwicklung
zu verzeichnen sind. Allerdings nehmen die großen Kliniken immer früher
Implantationen vor, Operationen unter einem Jahr sind keine Seltenheit.
Ausnahmen sind durch Meningitis ertaubte Kinder, die
kurzfristig implantiert werden können.
Im Normalfall wendet man sich an eine CI implantierende
Klinik/Uniklinik und vereinbart einen Termin zu einer Voruntersuchung. Es gibt
heute in Deutschland mehrere Kliniken/Unikliniken, die dafür in Frage kommen,
zum Beispiel die Medizinische Hochschule Hannover, das Cochlear Implant Centrum
Freiburg oder die Unikliniken in Essen und Bochum. (Weitere Adressen
bei uns) Die Wahl der Klinik hängt auch vom Nachsorgekonzept ab, das an der entsprechenden Klinik angewendet wird. Informationen sollten Sie
sich vorab bei den Kliniken einholen.
Die Voruntersuchung erfordert einen etwa dreitägigen stationären
Aufenthalte. Dabei finden in der Regel Hörprüfungen mit und ohne
Hörgeräten, BERA-Untersuchung, Computertomographie und weitere Untersuchungen
statt. Viele Untersuchungen werden in Narkose vorgenommen. Danach wird Ihnen in einer Abschlussbesprechung erläutert, ob bei Ihrem
Kind eine CI-Implantation sinnvoll ist oder nicht.
Operation und Erstanpassung
Die Operation erfordert etwa 7-10 Tage stationären Aufenthalt. Dabei wird dem Patienten in Vollnarkose das Implantat unter die
Kopfhaut implantiert, am Schädelknochen fixiert und der Elektrodenträger in
die Cochlear eingeführt. Die einwandfreie Funktion des Implantates wird noch
während der OP überprüft. Nach zwei bis sechs Wochen kann die
Erstanpassung des Sprachprozessors stattfinden, das heißt, die äußeren Teile
des CI-Systems werden individuell eingestellt und der Patient kann zum ersten
Mal mit dem System Höreindrücke wahrnehmen.

(Quelle: Clarion)
Therapeutische Betreuung
Ein CI ermöglicht in aller Regel einen sehr guten
Höreindruck über das gesamte Frequenzspektrum. Trotzdem ist auch mit einem CI
eine optimale Förderung und Hörerziehung ihres Kindes notwendig, um in Bezug
auf Sprachentwicklung, Sprachverständnis und Hören im allgemeinen Fortschritte
zu erzielen. Grundvoraussetzung dafür ist die individuelle Programmierung und
Abstimmung des Sprachprozessors, die in einer speziell dafür ausgerüsteten
Einrichtung vorgenommen werden muss. Diese periodisch bis zum Erreichen eines
relativen Optimums anfallenden Arbeiten gehören ebenfalls zum Nachsorgekonzept
der Kliniken.
Zukunft
Die Prozessoren sind serienreif als Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO)
entwickelt und erfolgreich auf dem Markt. Sie werden auch bei Kindern bereits häufig
eingesetzt. Die Zukunft der CI-Versorgung wird darin liegen, die Geräte
immer weiter zu verkleinern und das Problem der Energieversorgung zu
verbessern.
Damit einhergehend werden die Sprachverarbeitungsstrategien der Prozessoren
verbessert.
Es gibt immer mehr erfolgreiche Fälle, bei denen Kindern auf beiden Seiten
Implantate eingesetzt worden sind, die sogenannte "binaurale"
Versorgung. Die doppelte Versorgung wird immer häufiger und ist sehr Erfolg
versprechend. An einem Prozessor, der zwei Implantate ansteuert, wird noch
gearbeitet.
Der Erfolg wird weiterhin von der Nachsorge und der Anpassung durch
Fachleute abhängen.

(Hinter-dem-Ohr-Gerät, Fa. Med-El)

(Hinter-dem-Ohr-Gerät, Fa. Advanced Bionics)

(Hinter-dem-Ohr-Gerät, Fa. Cochlear)

(neuester Nucleus Freedom-Sprachprozessor mit Spule)
Kritische Anmerkungen
- Obwohl die Operation zur CI Implantation an vielen Kliniken zur
Routine geworden ist, bleibt das allgemeine Operationsrisiko erhalten.
- Ein CI-System ist letztendlich auch "nur" ein technisches
Gerät. Es kann auch einmal einen technischen Defekt aufweisen oder durch
äußere Einflüsse beschädigt werden. Bei den äußeren Teilen des Systems
ist dies kein Problem, diese können einfach ausgetauscht werden. Ein
defektes Implantat bedeutet allerdings eine Reimplantation eines neuen
Implantates mit anschließender Einheilungszeit und Neuanpassung des
Sprachprozessors. Die Hersteller gehen von einer technischen
Zuverlässigkeit ihrer Systeme von über 99% aus.
- Da CI-Systeme im breiteren Einsatz erst seit ca. 15 Jahren benutzt werden,
gibt es auch keine längerfristigen Erfahrungen in Bezug auf
Funktionsfähigkeit und Körperverträglichkeit.
- Neue Technologien im Bereich der Implantate lassen sich nur durch eine
Reimplantation einsetzen.
Empfehlung an
die Eltern
- Erfahrungsgemäß ist der Erfolg gerade bei früh implantierten Kindern am
größten. Warten Sie nicht zu lange mit Ihrer Entscheidung. Der Zeitraum
Voruntersuchung bis OP kann durchaus ein halbes Jahr und länger betragen!
- Bezüglich der Auswahl des CI-Systems tauschen Sie sich mit
Eltern aus und nutzen Sie deren Erfahrungen.
- Bezüglich der Adressen von spezialisierten Kliniken
wenden Sie sich an uns.
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