Wir wollen Mut machen und Hilfen vermitteln. Das Leben mit schwerhörigen
Kindern ist aufregend und spannend. Die Probleme und Schwierigkeiten sind groß,
aber sie können bewältigt werden. Am Anfang standen auch wir vor einem Berg von Fragen.
Wir fühlten uns hilflos
und überfordert, als wir mit der Hörbehinderung unserer Kindes konfrontiert
wurden. "Was sollen wir machen? Schaffen wir es, mit der Behinderung fertig
zu werden? Kann unser Kind überhaupt hören und sprechen lernen? Wie können
wir ihm am besten helfen? Können wir das überhaupt finanzieren?"
Dies sind nur einige von vielen Fragen, die wir uns am Anfang gestellt haben
und die sich auch heute frisch betroffene Eltern
anfangs stellen. Sie fühlen sich allein gelassen und unfähig, dieser neuen
Aufgabe gerecht zu werden.
Wir könnnen das sehr gut mitfühlen.
Deshalb sollten Sie wissen: Fast alle als
"hochgradig hörgeschädigt" diagnostizierten Kinder können mit Hilfe
von gut angepassten Hörgeräten, der richtigen Frühförderung durch geschulte
Fachleute und dem Einsatz der Eltern sprechen lernen.
Die ersten Informationen und Kontaktadressen erhalten die
Eltern - im günstigen Fall - bereits beim HNO-Arzt. Der weitere Weg und Verlauf
hängt von den Eltern selbst ab. Sie müssen entscheiden, zu welchem Akustiker
sie gehen, an welche Institution (z. B.: Gehörlosen-/bzw. Schwerhörigenschule)
oder Frühförderstelle sie sich wenden und welche Fördermethode sie auswählen
wollen.
Es ist schwierig, in dieser Situation sofort die
"richtigen" Entscheidungen zu treffen. Deshalb haben wir uns als
Eltern hörgeschädigter Kinder in einem Verein zusammengetan, um uns
gegenseitig zu unterstützen und um gleich betroffenen Eltern zu helfen. Wir
wollen informieren, Entscheidungshilfen geben und vor allen Dingen dazu
ermutigen, diesen zwar mühsamen, aber auch erfolgreichen Weg zu gehen.
Damit kein Missverständnis entsteht: es gibt keine
Patentrezepte, es gibt nicht den richtigen Weg. Wir geben uns wechselseitig
Hilfestellungen und Ratschläge, die wir im Umgang mit unseren hörbehinderten
Kindern als günstig und erfolgreich erfahren haben.
Auch wenn bereits vor der Untersuchung beim Arzt viele
Befürchtungen und Ängste existierten, so ist es nun Gewissheit: "Mein
Kind ist behindert!"
Auch uns ist es so ergangen, als wir vom Arzt über das
Ausmaß der Hörschädigung unseres Kindes erfuhren. Und wenn wir heute die
erste Zeit vor unserem Auge Revue passieren lassen, werden Verzweiflung,
Fassungslosigkeit und Traurigkeit der ersten Stunden, Tage und Monate noch
einmal deutlich. Es ist ein Gefühl, als wenn man den Boden unter seinen Füßen
verliert und plötzlich ohne jegliche Orientierung dasteht.
Wir haben versucht uns zunächst einmal vom ersten Schock zu
erholen. Dabei hat es uns geholfen, uns über Art und Grad der Hörschädigung
und deren Konsequenzen für die Entwicklung und Förderung des Kindes zu
informieren. Wichtig war
es für uns während dieser Zeit, uns gemeinsam zu informieren und uns
über den weiteren Weg zu
beraten. Auch die
Gespräche mit den Ärzten haben wir gemeinsam wahrgenommen und dadurch
vermieden, dass aufgrund der
großen Betroffenheit anfangs viele Informationen "vorbeirauschen". Da
war es oft hilfreich, wenn man zu Hause die Informationen noch einmal in Ruhe
austauschen und besprechen konnte. Weitere Gespräche mit Verwandten, Freunden und
Bekannten und schließlich mit gleichbetroffenen Eltern wirkten während der
ersten Zeit entlastend und erleichterten eine Neuorientierung.
Diese Neuorientierung brauchte seine Zeit und war nicht von
heute auf morgen zu bewältigen. Es gab anfangs immer wieder Phasen, in denen
wir verzweifelt waren und am liebsten alles hinwerfen wollten.
Gleichzeitig häuften sich aber auch die Phasen, in denen wir mit den ersten Fortschritten des Kindes auch
Zuversicht und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die unserer Kinder
erlebten. Entwicklungsstillstände und -fortschritte wechselten einander ab und
spiegelten sich in der Stimmung und der seelischen Verfassung wider.
Die Verantwortung, die wir tragen, ist groß. Aber mit Hilfe
einer positiven Grundeinstellung zum Kind schaffen wir es, es nach
seinen Möglichkeiten zu fördern. Wir und unsere Kinder wachsen mit diesen
Anforderungen und wir machen die Erfahrung, dass es auch oder
gerade mit einem behinderten Kind viele glückliche und zufriedene Stunden gibt.