Hörstörungen

 

Wenn Sie selbst den Verdacht auf Schwerhörigkeit haben oder Ihr Kinderarzt diesen Verdacht sogar schon bestätigt hat, sollten Sie für sich und für Ihr  Kind unbedingt Gewissheit  bekommen. Diese Gewissheit erhalten Sie ausschließlich durch eine fachgerechte Untersuchung. Die "Glöckchenmethode" (es wird ein Glöckchen geschwungen, das Kind reagiert vermeintlich) ist mit größten Unsicherheiten behaftet und schafft keine Diagnosesicherheit.  Suchen Sie einen spezialisierten HNO-Arzt oder eine Uni-Klinik auf. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Schwerhörigkeit zu diagnostizieren.


Otoakustische Emissionen

Eine schnelle und sichere Methode, die bereits bei Neugeborenen angewendet werden kann, ist die Messung von otoakustischen Emissionen (OAE) oder auch TEOAE. Vereinfacht dargestellt handelt es sich dabei um aktive Reaktionen des Innenohres auf Schallreize. Da otoakustische Emissionen nur messbar sind, wenn ein eventuell vorhandener Hörverlust 30 dB nicht übersteigt, kann bei nachweisbaren Emissionen eine mittel- oder hochgradige Schwerhörigkeit sicher ausgeschlossen werden.

Sind OAE nicht nachweisbar, werden zusätzliche Untersuchungen erforderlich, die von einem auf Audiometrie (Überprüfung der Hörfähigkeit) spezialisierten Hals-Nasen-, Ohrenarzt, in einer HNO-Klinik oder einem klinischen Früherkennungszentrum durchgeführt werden sollten. Der untersuchende Arzt hat die Möglichkeit, mit Hilfe von sogenannten "objektiven Messverfahren" die Hörfähigkeit des Kindes zu messen und Art und Grad der Hörschädigung festzustellen .


BERA und ERA

Zu den bekanntesten "objektiven" Hörprüfungen für Kleinkinder zählen die BERA (Brainstem Evoked Response Audiometry) und ERA (Electric Response Audiometry). Beide Verfahren setzen voraus, dass die Kinder ruhig und entspannt sind. Bei Kleinkindern führt man diese Untersuchungen im Schlaf durch, der durch Beruhigungs- bzw. Schlafmittel oder eine Kurz-Narkose erreicht wird. Solche Untersuchungen können ambulant durchgeführt werden. Sie haben durch die Untersuchung bei einem niedergelassenen HNO-Arzt im Vergleich zu einem Klinikbesuch den Vorteile.  Die Dauer der Untersuchung ist kurz, die Auswertung der Ergebnisse liegt oftmals sofort oder innerhalb kurzer Zeit vor, eine kurzfristige Anpassung von Hörgeräten ist möglich. Es gibt jedoch nur wenige Ärzte, die ambulant eine objektive Hörprüfung durchführen. Wir können Ihnen mit Adressen weiterhelfen.


Bei der BERA werden die Reizantworten am aufnehmenden Teil des Gehirns (Stammhirn) gemessen. BERA-Messungen sind maximal bis 120 dB möglich, können aber oft nur bis 100 dB ausgeführt werden. In dieser Untersuchung werden sogenannte "Klicks" verwendet, die mit ansteigender Lautstärke über Kopfhörer ausgesandt werden. Anhand der Reaktion des Gehirns auf diese "Klicks" lassen sich Art und Grad der Schwerhörigkeit ermitteln. Allerdings beschränkt sich die BERA auf die höheren Frequenzbereiche und liefert keine Aussagen über das Resthörvermögen im Bereich unterhalb von 1000 Hz.


Bei der ERA handelt es sich um Ableitungen akustisch evozierter Potentiale am verarbeitenden Teil des Gehirns (Hirnrinde) des Menschen. Wie bei der BERA werden die Kinder für kurze Zeit sediert. Auch hier werden den Kindern über Kopfhörer Töne unterschiedlicher Lautstärke und Frequenz zugeführt, auf die das Gehirn bei Wahrnehmung reagiert. Das Verfahren gibt Aufschluss über die Hörschwellen und die Frequenzen, in denen Hörreaktionen gemessen werden konnten. Im Gegensatz zur BERA wird dabei auch der Tieftonbereich unterhalb von 1000 Hz abgedeckt.

Die ERA liefert oftmals die genaueren Ergebnisse. Mit Hilfe dieser Ergebnisse kann eine individuelle und präzise Anpassung der Hörgeräte erfolgen.


Einteilung der Hörschädigungen  

Die fachärztliche Untersuchung liefert konkrete Aussagen über die Art und den Grad des Hörverlustes und schafft damit die Grundlage für weitere therapeutische Hilfen. Die Ursachen einer Hörschädigung sind im Unterschied dazu manchmal nur schwierig oder auch gar nicht zu ermitteln.


 Arten von Hörschädigungen   

Bei den Arten von Hörschädigungen unterscheidet man

  1. Schalleitungsschwerhörigkeiten
  2. Schallempfindungsschwerhörigkeiten
  3. kombinierte Schwerhörigkeiten aus den zuvor genannten Arten
  4. Sonderformen (einseitige Hörschädigungen, Hochtonschwerhörigkeit)

Schalleitungsschwerhörigkeiten werden durch eine Funktionsstörung des Außen- und/oder Mittelohrs hervorgerufen. Kinder mit derartigen Hörverlusten nehmen Sprache in der Regel zwar leiser, aber in gleicher Tonqualität wie hörende Kinder wahr.

Bei Schallempfindungsschwerhörigkeiten liegt eine Beeinträchtigung des Innenohres vor. Ob Hörorgan, Hörnerv oder das Hörzentrum geschädigt sind, lässt sich in der Regel kaum feststellen. Meist ist bei dieser Art der Schwerhörigkeit das Gehör im Hochtonbereich mehr beeinträchtigt als im Tieftonbereich. Kinder mit einer derartigen Innenohrschädigung hören deshalb Sprache nicht nur leiser, sondern auch anders.

Mitunter treten Schallempfindungs- und Schalleitungsschwerhörigkeit auch gemeinsam auf. Man spricht dann von einer kombinierten Schwerhörigkeit.

Eine Schallempfindungsschwerhörigkeit kann auch  einseitig vorliegen,   das heisst das Hörvermögen eines Ohres ist normal, während das des anderen Ohres mehr oder minder stark beeinträchtigt ist.

Hochtonschwerhörigkeit ist eine Variante der Schallempfindungsschwerhörigkeit. Tiefe Töne werden weitestgehend normal, hohe Töne dagegen nur eingeschränkt wahrgenommen.

  

Grade von Hörschädigungen  

Zusätzlich zur Art des Hörverlustes liefert die Untersuchung beim Facharzt auch eine Aussage über den Grad der Hörschädigung. Anhand des Hörverlustes in dB bezogen auf die betroffenen Frequenzbereiche in Hz unterscheidet man folgende Grade von Hörschädigungen:


-->  leichtgradige Schwerhörigkeit

Der Hörverlust im besseren Ohr beträgt im Hauptsprachbereich durchgehend 25 bis 40 dB. Das betroffene Kind hat immer noch genug Hörvermögen, um Sprache über das Ohr aufzunehmen und einer normalen Unterhaltung bezogen auf das Verständnis zu folgen.


-->  mittelgradige Schwerhörigkeit

In diesem Fall bewegt sich der Hörverlust zwischen 40 bis 70 dB. Auch hier ist die Möglichkeit zur Sprachaufnahme über das Ohr noch vorhanden, doch treten bei der Teilnahme an Gesprächen je nach Höhe des Hörverlustes zunehmend Verständnisprobleme auf. In gleichem Maße wachsen die Schwierigkeiten des Kindes, sich auszudrücken. Durch den Einsatz von Hörgeräten können diese Probleme stark verringert werden.


-->  hochgradige Schwerhörigkeit

Dieser Grad der Behinderung liegt vor, wenn der mittlere Hörverlust zwischen 70 und 100 dB beträgt. Bei Hörverlusten zwischen 85 und 100 dB spricht man auch von "Resthörigkeit" oder "an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit". Spracherwerb ist in diesem Fall nur mit einer optimalen Versorgung durch Hörgeräte oder ein Cochlear Implantat und einer intensiven Förderung des Kindes zu erreichen. Falls keine zusätzlichen den Spracherwerb hemmende Behinderungen vorliegen, sind aber auch derart hörgeschädigte Kinder in der Lage, soviel Sprache zu erwerben, dass häufig sogar der Besuch eines Regelkindergartens oder später einer Regelschule möglich ist.


-->  Gehörlosigkeit

Der Hörverlust beträgt im Bereich zwischen 125 und 250 Hz mehr als 60 dB sowie mehr als 100 dB im übrigen Frequenzbereich. Man spricht in diesem Fall auch von Taubheit, wobei dies nicht automatisch bedeutet, dass das Kind über keinerlei Restgehör mehr verfügt.